Ein Themenradar ist ein Instrument der Unternehmenskommunikation, das laufend beobachtet, welche Themen im Umfeld einer Organisation an Bedeutung gewinnen oder verlieren. Ein Themenradar verdichtet einzelne Fundstellen — Medienberichte, eigene Veröffentlichungen, Signale aus sozialen Netzen — zu einem Lagebild je Thema, statt jede Fundstelle einzeln zu melden.

Der Unterschied zu einer Pressespiegel-Liste liegt genau in dieser Verdichtung. Ein Themenradar beantwortet nicht die Frage „Was wurde heute über uns geschrieben?", sondern die Frage „Welche unserer Themen bewegen sich gerade, in welche Richtung, und wo entsteht Handlungsbedarf?"

Wozu dient ein Themenradar?

Ein Themenradar dient in der Kommunikationsarbeit drei Zwecken:

Woraus besteht ein Themenradar?

Ein Themenradar besteht typischerweise aus fünf Bestandteilen:

1
Quellen
Medienbeobachtung, eigene Kanäle, soziale Netze, gegebenenfalls Suchanfragen und Foren. Ohne breite Quellenbasis misst ein Themenradar nur den eigenen Schatten.
2
Zuordnung
Jede Fundstelle wird einem Thema der Organisation zugeordnet. Dieser Schritt entscheidet über die Qualität des gesamten Instruments.
3
Bewertung
Tonalität, Reichweite und Quellenqualität werden je Fundstelle erfasst.
4
Verdichtung
Aus den Einzelbewertungen entsteht ein Lagebild je Thema über die Zeit: Stimmung, Trend, Verteilung der Quellen, erkennbare Lücken.
5
Alarmierung
Auffälligkeiten werden aktiv gemeldet, statt darauf zu warten, dass jemand ein Dashboard öffnet.

Wie unterscheidet sich ein Themenradar von Medienbeobachtung?

Medienbeobachtung sammelt Fundstellen und liefert sie als Liste oder Pressespiegel aus. Ein Themenradar setzt darauf auf und beantwortet die nächste Frage: Was bedeutet die Summe dieser Fundstellen für die Themen der Organisation?

Medienbeobachtung

Liefert Material: Was wurde veröffentlicht?

Meldet nichts, wenn nichts erscheint.

Themenradar

Liefert eine Lage: Was bedeutet das für unsere Themen?

Erkennt, wenn ein wichtiges Thema seit Wochen keine Resonanz mehr erzeugt — und das ist ein Befund.

Medienbeobachtung ist damit eine Zulieferung, kein Ersatz. Wer nur beobachtet, bekommt Material; wer ein Themenradar betreibt, bekommt eine Lage.

Wie unterscheidet sich ein Themenradar von einem Redaktionsplan?

Kurz gesagt

Ein Themenradar beobachtet, ein Redaktionsplan disponiert.

Das Themenradar sagt, was draußen passiert; der Redaktionsplan legt fest, wer wann was dazu veröffentlicht. Beide Instrumente gehören zusammen, sind aber nicht dasselbe: Ein Redaktionsplan ohne Themenradar plant ins Blaue, ein Themenradar ohne Redaktionsplan erzeugt Erkenntnisse, aus denen nichts folgt.

Woran erkennt man ein belastbares Themenradar?

Vier Prüffragen, die in der Praxis den Unterschied machen:

Ist die Zuordnung nachvollziehbar?
Wenn nicht erklärbar ist, warum ein Artikel einem Thema zugeordnet wurde, ist das Lagebild nicht belastbar.
Entscheidet ein Sprachmodell über Relevanz?
Wenn ein Sprachmodell frei bewertet, was wichtig ist, wandert die Priorisierung der Organisation in eine Blackbox. Relevanz sollte aus dem eigenen Themenmodell folgen.
Ist Widerspruch möglich?
Eine automatische Tonalitätsbewertung liegt regelmäßig falsch. Ohne die Möglichkeit, sie zu korrigieren, verfestigt sich der Fehler in allen Auswertungen.
Kommt der Befund von selbst?
Ein Themenradar, das nur auf Abruf existiert, wird im Alltag nicht gelesen.

Wie setzt DAI-CIS ein Themenradar um?

Umsetzung in DAI-CIS

DAI-CIS ist ein Communication Intelligence System für Kommunikationsabteilungen in Unternehmen, Städten und Gemeinden. Das Themenradar ist darin kein eigenständiges Werkzeug, sondern die Auswertungsstufe über dem Pressespiegel.

Externe Artikel gelangen täglich über RSS-Feeds und Browser-Scraping in den Pressespiegel, ergänzt um CSV-Importe aus Medienbeobachtungsdiensten. Jede Fundstelle wird als Vektor abgelegt und gegen die eigenen Themen und offenen Zusagen der Organisation abgeglichen.

Die Relevanzentscheidung ist dabei bewusst deterministisch: Ein Artikel ist berichtenswert, wenn er per Ähnlichkeit ein eigenes Thema oder eine offene Zusage berührt. Alles andere wird gezählt, nicht bewertet. Das Sprachmodell entscheidet nicht, was wichtig ist — es formuliert am Ende die Lage aus den bereits feststehenden Treffern. Die Ähnlichkeitsschwellen stehen in der Konfiguration und sind damit nachvollziehbar und änderbar.

Aus diesem Abgleich entsteht je Tag ein Snapshot mit Artikelzahl, Stimmungsbild, bewegten Themen, Warnungen und positiven Signalen, dazu ein Tagesbericht und ein Wochenbericht. Automatisch vergebene Tonalitäten lassen sich von Hand überschreiben; die Korrektur bleibt erhalten und wirkt in den Auswertungen fort. Für die Kosten sind Obergrenzen gesetzt — pro Tag wird nur eine begrenzte Zahl von Artikeln verarbeitet, und ein Bericht führt höchstens die stärksten Treffer.